Endivien unter optimalen Bedingungen kultivieren

Endivie und Chicorée (Cichorium intybus) sind typische Spätsommergemüse, die in Treibkultur gezogen werden. Durch die Technik des Antreibens im Dunkeln während des Wachstums von Endiviensalat und Chicorée wird das Ausbleichen der Blätter gefördert. Die Kultur erfordert die Beherrschung verschiedener Grundtechniken, um Gemüse zu erhalten, das im Geschmack nicht bitter ist. Die weiße Farbe des Chicorée ist ein Qualitätskriterium.

Die Endivie (Endiviensalat) und der Chicorée gehören zu dem gleichen Gewächs, der Zichorie, eine zu der Gattung der Wegwarten (Cichorium) gehörende Pflanze. Die Anbautechnik besteht aus zwei Phasen, nämlich der Produktion der Wurzel gefolgt von der sog. Treiberei. In dieser zweiten Phase entsteht der Chicorée, dessen Bitterstoffe abnehmen, je weißer seine Blätter sind. Chicorée und Endivien sind Spätsommergemüse, deren Vermehrung durch Aussaat und Antreiben der Wurzeln möglich ist. Für eine Erntemenge von durchschnittlich 25 kg/m² wird eine Saatgutmenge von 4 g/m² empfohlen. Die Dauer des Saataufgangs hängt von der praktizierten Saattechnik ab: Im Saatbett braucht es 2 Tage für den Aufgang, bei Ablage auf endgültigem Pflanzenabstand doppelt so lange. Zu dem unerläßlichen Ausgangsmaterial im Nutzgarten des Selbstversorgers gehören ein Spaten, ein Rechen, ein Kunststoffbehälter von rund 50 cm Höhe und undurchsichtige Abdeckplane.

Chicorée und Endivien anbauen

Die Kultur von Endiviensalat und Chicorée umfaßt mehrere Etappen – Aussaat, Rodung, Antreiben, Schälen und Einlagern. Ausgesät wird in der Regel gegen Mai. Ziel ist die Produktion von Zichorienwurzeln. Eine Wurzel benötigt 25 bis 30 cm Platz zum Wachsen. Der Boden muß nährstoffreich, von feinkrümeliger Struktur und locker sein. Zum Abdecken der Saat die Erde durchsieben, damit sie so fein wie möglich ist. Man kann auch mit Torf arbeiten, um den Aufgang der Saat zu beschleunigen. Nach etwa einer Woche geht die Saat dann auf. Die Keimlinge aufgrund der hohen Besatzdichte nach der Keimung ausdünnen, um die weitere Entwicklung der Pflanzen zu unterstützen. Es kann ausgedünnt werden, sobald die Jungpflanzen 2 bis 3 Blätter tragen und ca. 10 cm lang sind.

Um echten Chicorée zu erhalten, werden die Jungpflanzen angetrieben. Hierfür werden die Wurzeln zu Beginn des Winters ausgegraben. Man läßt sie eine Woche lang ruhen, um das Wachstum zu stoppen.

Bevor man mit dem Antreiben beginnen kann, werden die Blätter von den jungen Pflanzen bis auf zwei Zentimeter Länge zurückgeschnitten. Die Agrarindustrie arbeitet hierbei mit speziellen Maschinen, die von einem Traktor gezogen werden. Für die Treiberei gibt es verschiedene Techniken. Sie hängen von dem verfügbaren Material ab.

Nach etwa 20 Tagen werden die Endivienköpfe von der Wurzel getrennt. Diese Arbeit geschieht manuell, die Blätter werden mit der Hand kurz über dem Wurzelhals abgedreht. Das Gemüse wird gewaschen und nach Klassen sortiert, kann dann in Tüten oder Kisten verpackt und geschichtet für den Verzehr in den Handel kommen.

Antriebstechniken für Chicorée

Dem Selbstversorger genügt ein Plastikbehälter, der mit einem Sand-Torf-Gemisch gefüllt wird. Die Endivien mit den Wurzelballen eng an eng in den Behälter stellen und mit dunkler Folie abgedeckt an einem luftigen Ort aufstellen, wo sie sich ungestört weiter entwickeln können. Nach 6 bis 8 Wochen bei konstanten, kühlen Temperaturen sind die Pflanzen ausgeblichen, der Chicorée ist erntefähig.

Bei der von Bréziers, Chefgartenbauer am Botanischen Garten in Brüssel, entwickelten manuellen Technik des Antreibens werden die Wurzeln in ein Treibbett aus Holz gestellt und mit einer Schicht Erde oder Sand abgedeckt. Das Gemüse treibt dann im Keller bei absoluter Dunkelheit und kühlen Temperaturen langsam weiter.

Eine weitere Technik ist die Treiberei im Saatbett im Freien. Sie benötigt mehr Platz, bringt aber auch größere Ernteergebnisse. Damit nicht zu viel Licht auf die Kulturfläche fällt, wird diese mit Wellblechplatten abgedeckt. Die Bodentemperatur wird durch unterirdisch verlegte Wasserrohre reguliert. Lagerung bei niedrigen Temperaturen gibt die Möglichkeit, das ganze Jahr hindurch über pikierfertige Wurzeln zu verfügen. Mit dieser Methode kann man seine Jahresproduktion an Endivien und Chicorée decken.

Hilfreiche Tips für erfolgreiche Chicorée- und Endivienkultur

Damit die Kulturfläche konstant kühl und frisch ist, wird sie im Sommer regelmäßig gewässert, geharkt und gejätet. Unkontrolliertem Unkrautwuchs ist durch regelmäßige Entfernung der unerwünschten Beikräuter entgegenzuwirken. Die Überdachung der Kultur muß sich in gewissem Abstand zu den Pflanzen befinden, damit die Luft korrekt zirkulieren kann. Für die Treiberei werden nur solche Wurzeln ausgewählt, die intakt sind und keine Verletzungen aufweisen. Im Keller getriebene Endivien werden häufiger gegossen, damit sich die Feuchtigkeit konstant hält.

Um das Wachstum der Pflanzen im Keller zu beschleunigen, wird die Treibkiste mit einer Strohschicht abgedeckt, was die Temperatur im Treibbett leicht anhebt. Das Gemüse muß in völliger Dunkelheit treiben können. Deswegen ist es sinnvoll, die Treibkiste mit Zeitungspapier oder perforierter Folie abzudecken, die ein Eindringen von Lichtstrahlen verhindert. Damit Endivien nach der Ernte nicht weiter treiben und Bitterstoffe entwickeln, was ihren Geschmack beeinträchtigen würde, werden sie bis zum Verzehr geschützt vor Licht aufbewahrt.

Chicorée ist anfällig für Pilzsporen, denen sich mit Bordeauxbrühe entgegenwirken läßt. Bei Befall mit Fliegen helfen Malathion und Parathion, gegen Rost arbeitet man mit Fungiziden und bei Auftreten von Fadenwürmern werden Insektizide aufgetragen.

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Veröffentlicht in Wintergemüse von Emily am 04 Jul 2012

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